Wenn das Handy kaputt ist 8. September 2005
Posted by bipo in Uncategorized.add a comment
Ich gestehe: Ich bin so Einer, der sein Handy nur zum Telefonieren benutzt. Ich will darauf keine Termine verwalten, ich will darauf nicht spielen, ich will darauf auch keine Bilder von nackten Frauen anschauen, teure Video-clips ähnlicher Thematik will ich auch nicht runterladen. Dafür gibts das Internet. Laute (und teure) Klingeltöne brauche ich auch nicht, mein Handy ist immer auf ’stumm’ geschaltet.
Was macht nun so Einer wie ich, wenn das Handy kaputt ist?
Richtig, er geht zum Provider seines Vertrauens und fragt, grosse Rehaugen machend, um
Hilfe.
Und was sagt mir der Provider meines Vertrauens in solchen Situationen 2 Sekunden
nachdem ich ihm meine missliche Lage erklärt habe?
Richtig, der Provider meines Vertrauens erklärt mir, ohne auch nur einen einzigen flüchtigen Blick auf mein altes Handy zu werfen, dass man da wohl nichts mehr machen kann.
“Da muss ein neues Handy her, wir hätten da gerade ein tolles Angebot für nur vierhunderdert Franken …”, beratschlagt mich der Provider meines Vertrauens.
In solchen Situationen klinkt sich mein selektiver Hörnerv aus. Ich schaue dann starr vor mir auf den Boden und das vegetative Nervensystem lässt mich ab und zu mit meinen Kopf nicken und Sachen wie: “Ja” oder “Soso” sagen.
Wenn dann alle Spzial- und Sonderangebote an wirkungslos mir abgeprallt sind, und mir mein vegetatives Nervernsystem langsam wieder die Kontrolle über meinen Körper zurückgibt, versuche ich mit dünner Stimme dem Provider meines Vertrauens klarzumachen, dass ich eigentlich gar kein neues Handy will, sondern mein Altes in Reparatur geben möchte. Man muss ja nicht gleich immer alles wegwerfen, oder?
Wenn sich dann das Gelächter aus dem Hinterzimmer des kleinen Verkaufsladens gelegt hat, wendet sich der Provider meines Vertrauens wieder mir zu. Er schnappt sich die Tatstatur und erfrägt meine Personalien, damit er einen Reparatur-Auftrag ausfüllen kann.
Gebannt schaue ich zu, wie sich dabei seine Augen zu Schlitzen verengen und sich Sorgenfalten auf seiner Strin auftürmen. Nach dem Eintippen meiner Personalien hat es ihm offenbar auf dem PC ein Fenster geöffnet, welches ihm aufzeigt für welches der unendlich vielen “Abos” ich mich beim Provider meines Vertrauens entschieden habe.
Sein bedauerndes “Ach … sie haben *nur* ein Libero Abo bei uns …” überhöre ich grosszügig.
Endlich darf ich mein defektes Handy vertrauensvoll in die Hände des Providers meines Vertrauens legen. Ein winziger Schritt in die richtige Richtung scheint gemacht.
Die zweite Seite des Reparatur-Auftrags informiert mich zu Hause über den folgenden Sachverhalt:
Sollte die Reparatur unter 100 Franken (durfte ich selber angeben) kosten, wird sie automatisch durchgeführt. Würde die Reparatur mehr als 100 Franken kosten, was ja ganz sicher der Fall ist, würde sich der Provider meines Vertrauens die Freiheit herausnehmen, das alte Handy nicht mehr zu reparieren. Er würde mir dann ein neues Handy zu Spezialkonditionen anbieten. So oder so kostet mich der Spass 39 Franken.
Bis zur Urteilsverkündung darf ich das alte Handy vom Chef benutzen. So ein neumödisches, womit man auch fotografieren kann. Ein farbiges Display hat es auch. Und schöne Hintergrundbilder!